Samstag, 1. Januar 2011

Silvesterpanik bei den Vögeln

Ein Vogelzimmer im Dachgeschoss - das ist sicher der Traum vieler Ziervogelhalter. Diesen Wunsch habe ich mir vor einiger Zeit erfüllen können und meine Tiere fühlen sich "da oben" sehr wohl. Meist zumindest. An Silvester sieht die Sache immer etwas anders aus, so auch vor einigen Stunden, als zum Jahreswechsel 2010/2011 die große Knallerei losgegangen ist. Zwar hatte ich im Vorfeld die Fenster verdunkelt und ein Kinder-Nachtlicht eingeschaltet, damit die Tiere durch die Lichtblitze der Raketen nicht gestört werden. Doch ich habe nicht mit der Böller-Leidenschaft meiner Nachbarn gerechnet. Es hat gekracht wie beim schlimmsten Gewitter, was die Vögel mit einer Panik quittiert haben.

In Gang gebracht haben die Panikflatteraktion die Wellensittiche Tara und Woodstock. Und wenn zwei Vögel panisch flattern, dann ziehen die anderen schnell nach. Um kurz nach Mitternacht - ich bin zum Glück zu Hause gewesen - habe ich also erst einmal elf Wellensittiche, sieben Katharinasittiche und zwei Diamanttauben beruhigen dürfen. Bei den meisten Tieren ist es mir schnell geglückt, nur der arme Woodstock hat scheinbar um sein Leben gefürchtet. Der kleine Kerl hat sich gar nicht beruhigen wollen und schnell hat sein Flügel vom wilden Schlagen ein wenig geblutet.


Was sollte ein Vogelhalter in einer solchen Situation unternehmen? Bei Woodstock hatte ich nur eine Wahl: Ich habe ihn aus dem Vogelzimmer geholt und ihn zu seiner eigenen Sicherheit auf mein Bett gesetzt. Woodstock kann aufgrund einer Behinderung nicht fliegen, deshalb hat diese Maßnahme gereicht. Zwar hat er auf dem Bett noch immer mit den Flügeln geschlagen. Der weiche Bettbezug hat die Wucht der Schläge jedoch abgefangen, so dass nichts weiter passiert ist. Den Vogel zum Beruhigen in die Hand zu nehmen, wäre keine gute Option gewesen, denn Woodstock ist bedauerlicherweise nicht zahm. Ist ein Tier hingegen zutraulich und hat es eine enge Bindung zum Halter, kann es für den Vogel sehr beruhigend sein, ihn vorsichtig mit der Hand zu umschließen und zu kraulen.

Woodstock hat übrigens selbst einen Weg gefunden, sich sicher und geborgen zu fühlen, ohne sich in Menschenhände kuscheln zu müssen: Er ist hat sich eine heimelige Höhle in der Bettdecke gesucht und sich dort ganz einfach versteckt, bis die Knallerei etwa gegen 00.40 Uhr zu Ende gewesen ist. Danach ist die Welt für Woodstock wieder in Ordnung gewesen und er ist aus seiner Höhle gekrochen. Für mich ist dies das Zeichen gewesen, ihn wieder ins Vogelzimmer zu bringen, wo er den Rest der Nacht ohne weitere Anzeichen von Angst verbracht hat. Die Böller sind somit schnell vergessen gewesen.

Ich bin froh, dass sich keiner meiner Vögel während der Silvesterpanikattacke ernsthaft verletzt hat. Woodstocks kleine Flügelblessur ist inzwischen schon fast vergessen. Zum Glück dauert es nun erst mal wieder ein Jahr, bis die Vögel erneut dem "Silvesterböllerkonzert" ausgesetzt sind.

Kommentare:

  1. Licht an lassen und Musik laut aufdrehen, und schon sind die Böller den Wellensittichen egal. Stille und ungewohnte Geräusche verursachen Panik. Wenn aber im Hintergrund das Radio läuft und die gewohnte Lärmkulisse mit Böller ergänzt wird, juckt das keinen Vogel.

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  2. Hallo anonymer Kommentarersteller,

    das ist alles gut und richtig, deshalb habe ich genau das gemacht (Musik lief in meiner Wohnung ohnehin) und ich gebe diese Tipps ja auch auf meiner Internetseite Birds Online unter http://www.birds-online.de/unterbringung/silvester.htm. Leider haben meine Vögel aber beschlossen, sich nicht an die Theorie zu halten und in der Praxis trotzdem mit einer Panikattacke zu reagieren. Dagegen hat leider weder das Licht, noch die Musik geholfen.

    Gruß,
    GSM

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  3. Also unser federloser Futterhansel und Animateur hat das ähnlich, also mit viel Licht und Fernseher bis 1 Uhr gemacht. Ja, und weil wir immer Birds Online lesen, haben wir uns voll an die Theorie gehalten und deshalb absolut keine Angst oder so gehabt. Naja, am Neujahrstag sind wir dann halt ein bisserl müde gewesen, weil ja Wellis eigentlich nicht so lange aufbleiben sollten.
    Liebe Grüße zum neuen Jahr, Die Tomcats

    Liebe Frau Schulemann-Maier, vielen Dank für Ihre Arbeit auf Birds Online.
    Gruß, der federlose Futterhansel etc. ;-)

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  4. Hallo lieber federloser Futterhansel,

    da haben Ihre Vögel aber genau richtig gehandelt! Meine werte Bande ist wohl zu faul gewesen, Birds Online zu lesen. Ich werde mal überlegen, vor dem nächsten Jahreswechsel rechtzeitig einen Podcast zu erstellen, dann gibt's die Verhaltenstipps halt auf die Ohren. ;-)

    Herzliche Grüße,
    Gaby Schulemann-Maier

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  5. Göttlich, wie der kleine Woodstock sich dort eingekuschelt hat. :-))
    Vermutlich hat das jetzt die Folge, dass du für alle Wellis Federbetten herstellen musst.

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  6. Liebe Indianerin,

    oh weh, hoffentlich wollen die Vögel nicht wirklich demnächst alle solche Betten haben. Bisher scheint Woodstock ihnen noch nichts von seinem Erlebnis berichtet zu haben. Vielleicht schämt er sich ja auch ein wenig, weil er so eine "Welle" gemacht hat, wer weiß? ;-)

    Viele liebe Grüße,
    Gaby

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  7. Hallo Gaby wir sind seit neuen im bestizt zweier Wellensittiche und haben mit Freude auf Birds Online viel Wissenswertes gelesen.
    Danke das sie (du) so viel zeit und Erfahrung Online gestellt hast.
    LG
    Michael König

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  8. Hallo Michael,

    es freut mich, dass Euch Birds Online offenkundig geholfen hat. So soll es sein. :-)

    Viel Spaß mit Euren Wellis und liebe Grüße,
    Gaby

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  9. Hallo Gaby,
    ich bin erst vor kurzem auf deine tolle Homepage gestossen und habe mit großer Begeisterung darauf herumgestöbert. Ich selber habe seit 16 Jahren Wellies und kann mir ein Leben ohne sie nicht mehr vostellen.Ich nenne sie liebevoll meine 5 Freunde ;)
    Das Problem mit Sylvester kenne ich zum Glück nicht, denn meine Bande ist gegenüber lauten Geräuschen total unempfindlich. Sie lassen sich kaum aus der Ruhe bringen und selbst den Staubsauger finden sie toll, beobachten ihn genau und begleiten ihn wortlaut.
    Aber das Foto mit deinem Wellie unter der Bettdecke ist wirklich herrlich.
    Viele Grüsse von einer Vederlosen

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